Freiwillige in Parks - Nr. 12 - 05/09

Liebe Leserin, lieber Leser,

fast schon steht der Sommer vor der Tür - die Hochsaison in den Parks hat begonnen. Nicht nur die Ranger haben alle Hände voll zu tun, und nicht nur die Zahl der Besucher nimmt wieder zu, sondern auch unsere „Freiwilligen in Parks“ sind wieder zahlreich im Einsatz. Und es werden von Jahr zu Jahr mehr: Im letzten Jahr wurden in den am Freiwilligenprogramm beteiligten Schutzgebieten über 2.600 Freiwillige gezählt, die sich mit insgesamt ca. 103.000 Stunden ehrenamtlich engagierten. Dies ist eine enorme Entwicklung, wie in diesem Newsletter anhand des Vergleichs der letzten drei Jahre deutlich wird. Allen "Freiwilligen in Parks" sei ganz herzlich für diese tolle Leistung gedankt! Und auch in dieser Saison werden die Freiwilligenkoordina­torInnen ihren Freiwilligen wieder zur Seite stehen. Sicher gibt es viele gute Gründe, die Freiwilligenarbeit professionell zu organisieren. Einer dieser Gründe ist: es macht einfach Spaß, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die sich so engagieren!

Viel Spaß nun beim Lesen vieler erfreulicher Entwicklungen wünscht

Kerstin Emonds, EUROPARC Deutschland

 

Nationale Naturlandschaften und Freiwillige im Einsatz

Ein Schutzgebiet stellt sich vor: Das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Am Südrand des Harzes erstreckt sich über 100 km Länge - Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen miteinander verbindend - eine besondere, eine bizarre Landschaft. Sie bildet das Herzstück des 30.000 ha großen Biosphärenreservats: Auf leicht löslichem Untergrund aus Gipsgestein entstanden (und entstehen immer noch) durch den fortwährenden Einfluss von Niederschlagswasser typische Karsterscheinungen wie Dolinen, Trichter und Kegel, Karstquellen, Felsabbrüche und Höhlen. 19 Fledermausarten leben in dieser waldreichen Karstlandschaft. Im Offenland und sonnenbeschienenen Felsregionen sind besonders viele Wärme liebende Arten zu Hause. Auf vielen kalkreichen Standorten wachsen Orchideen und andere Pflanzen, von denen bisher 420 Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden konnten. Die im Biosphärenreservat anzutreffende, so wertvolle Vielfalt an Oberflächenformen und Lebensraumtypen auf engem Raum ist nur zum einen auf die Geologie und die verschiedenen klimatischen Bedingungen auf Süd- und Nordhängen zurückzuführen. Zum anderen war es die Jahrhunderte lange, vielerorts „sanfte“ Nutzung dieser alten Kulturlandschaft, die z.B. durch Beweidung, Mahd und Streuobstwiesennutzung für viele heute gefährdete Pflanzen- und Tierarten die Lebensgrundlagen schufen. Im Biosphärenreservat sollen nun diese Lebensräume durch nachhaltige Landnutzung, z.B. durch (Wieder-) Beweidung mit Schafen und Ziegen, erhalten werden.


(Quelle: Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz)

Auch das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung spielt natürlich eine wichtige Rolle im Aufgabenspektrum des Schutzgebietes. Nachhaltigkeit kann Kindern am besten durch eine breite Beteiligung von Großeltern, Eltern und ganzen Familien vermittelt und vorgelebt werden - kein Problem im Südharz, wenn eine „grüne Oma“ ihren Garten den Kindergarten-Kindern zur Verfügung stellt und ihnen zeigt, wie die Kartoffeln aus der Erde kommen… Mit dem Projekt „Generationenübergreifender Umweltschutz“ hat diese KITA gerade den Umweltpreis des Landes Sachsen-Anhalt gewonnen. Das Biosphärenreservat ist seit März dieses Jahres - nach langen Jahren in Gründung - nun nach Landesrecht gesichert. Doch auch vorher schon waren hier Freiwillige aktiv. So werden zum Beispiel die gut besuchten Sonntagswanderungen entlang des Karstwanderweges von zahlreichen Freiwilligen geleitet. Die Koordination und Betreuung der Freiwilligen ist seit Beginn dieses Jahres Aufgabe der hauptamtlichen Mitarbeiterin und Freiwilligenkoordinatorin Christiane Funkel.

Weitere Infos zum Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Kontakt zur Freiwilligenkoordinatorin im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz

Neue Kooperation mit der Lebenshilfe
Überaus fröhlich, anpackend, hoch motiviert - nahezu übereinstimmend klangen die Berichte aus acht Nationalen Naturlandschaften über Menschen mit geistiger Behinderung, die sich im Mai mit ebenso viel Spaß wie Tatenlust in den Parks engagierten. Anlässlich der ARD-Themenwoche „Ist doch Ehrensache!“ wurde eine neue Kooperation zwischen Nationalen Naturlandschaften und Lebenshilfe-Einrichtungen erstmals mit Leben erfüllt. Der Naturschutz und der sorgende Umgang mit Tieren und Pflanzen ist vielen Menschen mit geistiger Behinderung ein persönliches Anliegen. Rund 100 von ihnen kamen daher bereitwillig an ihrem freien Samstag in die Schutzgebiete, um bei verschiedenen Arbeiten mit anzupacken. Und dies in einem Tempo, das seinesgleichen sucht: "Während wir noch dastehen würden und diskutieren, wie wir es nun am besten beginnen, hatten sich die Leute aus der Lebenshilfe schon mit dem bereit gestellten Werkzeug versehen und legten los“, freute sich ein Naturpark-Ranger über diese Vorlage. So wurden in rekordverdächtiger Geschwindigkeit z.B. Wege repariert, Spielplatzgerüste instand gesetzt, Rastplätze von Müll befreit, Unterschlupf für seltene Tiere geschaffen oder Bänke aufgestellt, die in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen entstanden waren.


(Quelle: Nationalpark Hainich)

Was als Aktionstag begann, soll nun kontinuierliche Fortsetzung finden. Alle Beteiligten bekundeten bereits Interesse an längerfristigen Partnerschaften oder haben sich sogar schon zu neuen Taten verabredet. Auch neue Partnerschaften zwischen weiteren Parks und Lebenshilfe-Einrichtungen sollen entstehen.

Weitere Infos zum Aktionstag im Naturpark TERRA.vita, im Naturpark Barnim, im Biosphärenreservat Rhön, Hessischer Teil sowie Bayerischer Teil), im Biosphärenreservat Bliesgau, im Nationalpark Kellerwald-Edersee, im Nationalpark Hainich und im Nationalpark Harz

Weitere Infos zur Lebenshilfe aktiv

„Freiwillige in Parks“ leisteten 2008 rund 103.000 Stunden
Die jährliche Auswertung der Freiwilligen-Einsatzsaison bringt es ans Licht: Die Anzahl derer, die sich in Nationalen Naturlandschaften freiwillig engagieren, sowie die Zahl ihrer ehrenamtlich erbrachten Stunden wächst von Jahr zu Jahr. Aktuell geht diese Entwicklung mit großen Schritten voran, wie folgende Zahlen verdeutlichen:


Entwicklung des Freiwilligenprogramms in den Nationalen Naturlandschaften

Jahr    Anzahl Freiwillige    erbrachte Stunden insg.
2006    ca. 1.700                  ca. 38.000
2007    ca. 2.000                  ca. 60.000
2008    ca. 2.600                  ca. 103.000

Diese sehr erfreuliche Entwicklung hängt auch mit der zunehmenden Professionalisierung des Freiwilligenmanagements in den beteiligten Nationalen Naturlandschaften zusammen: Eigens qualifizierte Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren sorgen dafür, Freiwillige zu gewinnen bzw. sie immer wieder neu zu motivieren, sie zu betreuen und ehrenamtliche Arbeit entsprechend zu würdigen. Zudem tauschen die KoordinatorInnen in ihrem schutzgebietsübergreifenden Netzwerk Erfahrungen aus, geben und bekommen dort Anregungen für zukunftsweisende Projekte. Diese Vorgehensweise sowie neue Partner im Freiwilligenprogramm lassen darauf hoffen, dass es weiterhin gelingen wird, bereits Engagierte für weitere Einsätze und auch viele neue „Freiwillige in Parks“ zu gewinnen.

Naturpark Erzgbirge/Vogtland: Mehr als 400 freiwillige Stunden für den Wasserlehrpfad
Zur feierlichen Eröffnung des neuen Wasserlehrpfades an der Talsperre Eibenstock am 20. März war unter anderen der Sächsische Umweltminister zu Gast. Er lobte den neuen Pfad und nahm sich die Zeit, um ca. 4 km des Weges mit zu wandern. Der Lehrpfad ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Naturpark „Erzgebirge/Vogtland“, dem Sachsenforst und der Landestalsperrenverwaltung. In unzähligen Stunden wurden von Bediensteten und freiwilligen Helfern die Planung, die Gestaltung und der Aufbau organisiert und durchgeführt. Allein rund 400 Stunden leisteten sechs Freiwillige beim Aufbau.


(Quelle: Naturpark Erzgebirge/Vogtland)

Weitere Infos zum Naturpark Erzgebirge Vogtland
Kontakt und weitere Infos zu Freiwilligeneinsatzstellen im Naturpark Erzgebeirge/Vogtland

Naturpark Hoher Fläming: Freiwilliges Engagement wird vom Landkreis geehrt
Der Landkreis Potsdam-Mittelmark im Land Brandenburg zollt Freiwilligen seit diesem Jahr Dank und Anerkennung durch die Vergabe einer Ehrenamtskarte. Die Karte hält Vergünstigungen wie z.B. Eintrittsermäßigungen oder unentgeltliche Bildungsangebote bereit. Im März erhielten erstmals 10 Freiwillige aus verschiedenen Bereichen des bürgerschaftlichen Engagements in feierlicher Runde diese Ehrung. Im Laufe des Jahres sollen dann bis zu 300 Freiwillige auf diese Weise gesellschaftliche Anerkennung für ihr Engagement erfahren. Für die Kategorie „Umwelt, Natur- und Tierschutz“ wurde ein Freiwilliger geehrt, der sich seit mehr als sechs Jahren im Naturpark Hoher Fläming engagiert. So hilft er beispielsweise jedes Jahr beim Auf- und Abbau der Krötenzäune und übernahm nach einer fachlichen Einweisung die selbständige Betreuung erst eines, später auch eines zweiten Zauns. Je nach Witterungsverlauf kann die Krötensaison bis zu drei Monate dauern – das bedeutet in diesem Zeitraum tägliche Kontrolle. Insgesamt sind im Naturpark Hoher Fläming mehr als 25 ehrenamtliche Zaunbetreuer unterwegs, und auch in anderen Bereichen helfen Freiwillige mit. Vielleicht gehören auch sie bald zu den 300 Geehrten, die die Karte jährlich erhalten können. Im Land Brandenburg ist diese Form der gesellschaftlichen Anerkennung noch einzigartig. In anderen Kommunen und Landkreisen Deutschlands gibt es ebenfalls Ehrenamtskarten, in einigen Bundesländern werden damit landesweit Freiwillige geehrt.

Weitere Infos zum Naturpark Hoher Fläming
Kontakt und weitere Infos zu Freiwilligeneinsatzstellen im Naturpark Hoher Fläming

„Freiwillige in Parks“ international

Europäische FreiwilligenkoordinatorInnen trafen sich zum Erfahrungsaustausch
Im Rahmen der GRUNDTVIG-Lernpartnerschaft "European volunteers in parks" trafen sich Anfang April 26 Teilnehmer aus acht Ländern (Italien, England, Rumänien, Litauen, Lettland, Spanien, Island und Deutschland) im Abruzzen-Nationalpark in Italien. Dieser zweite GRUNDTVIG-Workshop diente dem weiteren Austausch zum Thema Freiwilligenmanagement sowie der konkreten Vorbereitung des gegenseitigen, ein- bis mehrwöchigen Einsatzes von Freiwilligen in jeweiligen Partner-Parks. Einer der Workshop-Tage war als „day as a volunteer“ gestaltet, um Freiwilligenmanagern die Gelegenheit zu geben, selbst noch einmal in die Rolle des Freiwilligen zu schlüpfe und deren Ansprüche besser beurteilen zu können. Bei der abendlichen Auswertung des Tages wurde deutlich, dass für alle die Kombination aus Landschaftserlebnis und sinnvoller Arbeit als sehr wertvolle Erfahrung empfunden wurde. Nicht die Arbeit selbst steht im Vordergrund, sondern die Arbeit in und mit der Natur. Noch auf dem Rückweg erreichte die Teilnehmenden die schreckliche Nachricht, dass es nur 40 Kilometer nördlich des Tagungsortes ein schweres Erdbeben gegeben hatte. In allem Unglück für viele Einwohner der Abruzzen gab es dann doch glücklicherweise Entwarnung, dass das Nationalparkgebiet und die dort Beschäftigten nicht unmittelbar betroffen waren.

Weitere Infos zur Europäischen Lernpatenschaft "European volunteers in parks"

Termine & Sonstiges

Bewerbungsschluss Civil Academy: 28. Juni
Freiwillig Engagierte zwischen 18 und 27 Jahren können sich für das Trainingsprogramm der Civil Academy zu den Themen Projektmanagement, Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit mit einer konkreten Projektidee bewerben.
Weitere Infos unter www.civil-academy.de

Bewerbungsschluss Bürgerpreis: 30. Juni
Deutschlands bundesweit größter Ehrenamtspreis wird in diesem Jahr ausdrücklich für ehrenamtliches Engagement im Umwelt- und Naturschutz vergeben. Es gibt vier Kategorien: Alltagshelden (Erwachsene), Lebenswerk, Aktiver Mittelstand (Unternehmen) sowie Junior (14-21 Jahre).
Bewerbungen oder Vorschläge online unter www.buerger-engagement.de
Weitere Infos unter www.buerger-engagement.de/FMFUFA_Bewerbung_2009_72_dpi.pdf

Vorschläge für Deutschen Engagementpreis bis 31. August
Die bundesweite Kampagne »Geben gibt« lobt zusammen mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) den jährlichen »Deutschen Engagementpreis« aus. Dafür kann man sich nicht bewerben – stattdessen haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Einzelpersonen, Unternehmen, Verwaltungen, Initiativen, Verbände, Vereine oder Stiftungen für den Preis vorzuschlagen.
Vorschläge per Postkarte oder online über http://geben-gibt.de/preisengagement.html